Stressiger Blutmond

Der Vollmond macht ja des Öfteren die Menschen verrückt. Wenn es aber ein Blutmond ist, scheint es sich ganz besonders auszuwirken. Es ist nicht so, dass man Menschen findet, die in ihren Gärten oder auf öffentlichen Plätzen ein Wolfsgeheul in Richtung des Mondes anstimmen. Dazu bleibt er – zumindest hier im Westen – zu lange auf einer flachen Kurve und selbst am Niederrhein eine gefühlte Ewigkeit unsichtbar. Als er sich dann zeigt, wird ein Traum wahr!

Vorfreude

Viele machen es wie ich: Schon Tage zuvor Testfotos vom Mond aufnehmen. Eistellungen testen, die einem am Abend der Abende dann auch nicht viel nutzen. Man sieht sich Fotos an, unsere Coaches überlegen sich, wie man den Mond am Besten einfangen kann. Und dann ist er da, der Blutmonabend!

Testballon, der Mond zwei Tage vor dem Ereignis.

Abend der Abende

Ich versuche es im heimischen Garten. Da gab es bei den Testfotos einen genialen Blick auf den Mond. Heute ist das irgendwie anders. Nicht geht, kein Mond zu sehen. Der Frust wächst.Nach unendlich erscheinendem Warten springe ich ins Auto mit Kamera und Stativ und fahre ich los.

It’s a long way ….

Der Parkplatz an der Walsumer Hubbrücke könnte ein toller Ort sein, um den Mond zu suchen und vielleicht auch erfolgreich zu finden. Beim Einbiegen in die Straße zum Parkplatz trifft mich der Schlag. Autos am linken und rechten Straßenrand machen ein Durchkommen fest unmöglich, oben drehen kann man kaum mehr und Platz ist da auch nicht. Also etwa 200 Meter wieder rückwärtsfahren, unterbrochen von Fußgängern, die aus der Dunkelheit hinter meinem Wagen auftauchen oder den von mir ohnehin so geschätzten Radfahrern ohne Licht, die sich durch die Wagenkolonne schlängeln.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Frustriert fahre ich zurück zum eigenen Garten. Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. Deshalb wage ich einen letzten genervten Blick nach draußen:

DA IST ER!

Der Blutmond in meinem Garten, in seiner ganzen Pracht. Nein, es ist nicht der chinesische Lampion des Nachbarn, es ist wirklich der Mond und er ist voll. Und er ist rot.

Jetzt aber schnell

Jetzt aber schnell, weil in der linken Ecke wird das Objekt der Begierde nach dem langen Warten schon wieder ein wenig heller.Serien mit kleinen Veränderunge und der kritische Blick auf den Bildschirm. Stimmen Schärfe, Blende und Belichtungsdauer?

Danach dann am Laptop die Auswertung: 100 Bilder gemacht, sechs, die ganz ordentlich passen. Noch ein wenig dran schrauben und noch vor 24 Uhr online stellen. Jetzt ist der Mond schon zur Hälfte wieder normal. Schön war es, stressig war der Blutmond, ein einmaliges Erlebnis. Es hat sich gelohnt.

Heinrich Wullhorst

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