Lost Places, verlorene Orte, verrät man nicht, weil sonst sind sie nicht mehr lost. Der Ort, an dem wir waren, ist gar nicht so verloren. Erstens liegt er nicht im Verborgenen, sondern direkt an einer Straße und zweitens erfreut er sich regional – zumindest unter Fotografen – einer besonderen Beliebtheit. Wir sind in Franken und mehr sagen wir nicht.

Alter Gutshof

Die aus dem Dach wachsenden Bäume geben einen ersten Einblick in den Zustand des Gebäudes.

Der alte Gutshof aus dem Jahre 1060 präsentiert sich bereits von außen als Denkmal des Verfalls. Seit Mitte der 1980er Jahre wird er nicht mehr bewirtschaftet. 2011 rückten die Bagger an und ließen nur noch zwei Gebäudeteile stehen. Durch eine Wiese aus Blumen und Gestrüpp gelangt man dort hinein.

Durch Gestrüpp und Blumenwiese zum Gutshof.

Mehr Licht

Im Untergeschoss angekommen stellt sich gleich die erste fotografische Herausforderung. Lost Places verfügen nicht über elektrisches Licht oder einen Stromanschuss. Goethe würde sagen: “Mehr Licht”. Allerdings tat er auch das erst auf dem Sterbebett. In dem “sterbenden Haus” müsst Ihr halt aus der Belichtungssituation das Beste machen.

Vorne hell, hinten dunkel. Die Herausforderng im Untergeschoss.

1. Tipp: Für Fotografie in Lost Places benötigt Ihr ein Stativ.

Wechsendes Licht und dunkler Raum. Da braucht es ein Stativ.

Das Stativ löst allerdings nicht alle Probleme. An diesen Orten wechseln nicht völlig dunkle Ecken mit lichtreichen Stellen ab. Dadurch gelingt es nur sehr selten, die gesamte Szenerie perfekt einzufangen. Durch helle Lichter und tiefe Schatten entsteht ein Kontrastumfang, den wir mit einem einfachen jpg-Bild nicht mehr darzustellen ist.

Dunkel mit ein wenig Loch. Düstere Ausblicke ohne HDR.

HDR als Zauberwort

Die Lösung der Belichtungsprobleme kann ein HDR-Foto sein.

HDR hilft auch beim Entdecken versteckter Warnhinweise.

2. Tipp: HDR-High Dynamic Range ist das Zauberwort um schwierige Lichtsituationen zu lösen.

Wie macht man HDR?

Wie entsteht nun so ein HDR-Bild? Letztlich ist es nichts Anderes als eine Belichtungsrehe aus fünf unterschiedlichen Fotos. Ah, kenn ich doch, werden jetzt Viele von Euch sagen. Da gibt es doch so einen Menüpunkt in meiner Kamera. Ja, den gibt es, aber wie bei so vielen automatisierten Prozessen raten die Photoauszeit-Coaches davon ab, dies HDR-Programm zu benutzen. Viele Softwareprogramme bieten die Möglichkeit, die Bilder einer Belichtungsreihe zu einem HDR-Foto zusammenzufügen.

3. Tipp : Die Adobe-Produkte wie Lightroom oder Photoshop eignen sich gut zum Zusammenfügen der Bilder. Sehr schön, weil mit mehreren vorgegebenen Templates versehen ist Photomatix Pro. Es gibt aber auch kostenlose Alternativen wie das Luminance HDR.

Das Ergebnis

HDR-Bild aus den fünf gezeigten Fotos. Zusammengefügt mit Lightroom.

Welche Blende?

Na dann: Jetzt steht man gleich vor der nächsten Frage? Welche Blende soll ich wählen? Da gilt letztlich das in unseren anderen Tipps & Tricks Gesagte. Man nimmt die Blende mit der man den gewünschten Effekt erreichen kann. Da wir mit einem Stativ arbeiten, sind wir in unserer Entscheidung ziemlich frei, weil wir auch bei einer geschlossenen Blende (große Zahl) und längerer Belichtungszeit keine Angst haben müssen, das Bild zu verwackeln. Bei großen Räumen und einer guten Schärftentiefe sollten wir daher ruhig eine geschlossenere Blende wählen.

Blende 9, 1/60 s

4. Tipp: Eine feste Blendenauswahl (egal ob im manuellen Modus oder im Blendenvorwahlmodus) ermöglicht uns Einfluss auf die Schärfentiefe.

Die ISO

Noch ein Satz zur ISO: Auch hier sind wir durch den Stativeinsatz freier in unserer Entscheidung. Um das störende Rauschen zu vermeiden, dass bei der Zusammenfügung der Bilder im so genannten „Tone mapping“ zum Teil noch verstärkt wird, sollten wir eine möglichst kleine ISO-Zahl wählen.

Blende 9. ISO 400.

5. Tipp: Rauschen vermeiden wir durch kleine ISO-Zahlen.

RAW-Format

Wie auch an derer Stelle schon beschrieben empfehlen wir die Bilder (nicht nur für die HDR-Fotografie) im RAW-Format aufzunehmen. Als Rohdatenformat oder RAW-Daten bezeichnet man das jeweilige Dateiformat bei Digitalkameras, bei denen die Kamera die Daten nach der Digitalisierung weitgehend ohne Bearbeitung auf das Speichermedium schreibt. Es findet keine nennenswerte Veränderung der Bilddaten statt. Deshalb bezeichnet man das RAW auch gerne als digitales Negativ.

RAW-Dateien lassen sich in vielen kleinen Eizelheiten bearbeiten, sodass man oft aus einem schlechten Bild noch ein gutes machen kannst.

Impressionen

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen aus diesem verlorenen Ort. Wagt Euch einmal selbst an HDR heran. Eure Fragen, gerne auch als Kommentare hier geschrieben, beantworten wir gern. Und wenn Ihr Lust habt, demnächst biete wir sicher auch einen Photoauszeit Workshop zum Thema HDR an. Auch hier freuen wir uns, wenn Ihr uns Euer Interesse mitteilt. Mit dem Klick auf ein einzelnes Bild startet die Galerie.